Monday, December 9, 2013

Adoption, Familienannäherung, Patenschaften - wo die Zukunft der Kinder liegt


Das Jahr neigt sich dem Ende zu!
Hier in Chile beginnen Ende diese Woche für die ersten Kinder die Sommerferien. Das bedeutet nicht nur 3 Monate Ausspannen von der Schule, sondern auch viele Abschiede und Neuankünfte hier im Kinderheim. Während natürlich im Laufe des Jahres immer wieder Kinder in Adoption gehen und auch neue Kinder entweder aus anderen Kinderheimen oder direkt aus den Familien zu uns kommen,  gibt es für einige Kinder am Ende des Jahres die Möglichkeit zu ihrer leiblichen Familie zurückzukehren. Die Freunde und Aufregung dieser Kinder lässt sich quasi mit Händen greifen!

Im Allgemeinen gibt es drei Möglichkeiten, wie die Zukunft der Kinder aussehen kann: die Familienannäherung, die Adoption und die Patenschaften.

Familienannäherung – Acercamiento Familiar
Die mit Abstand erfreulichste Lösung für die Kinder ist die Rückkehr zu ihren Familien. Circa 15 Kinder  warten hier momentan darauf wieder mit ihren Verwandten leben zu dürfen. Dabei handelt sich nicht unbedingt um die Eltern, sondern häufig um Großeltern oder Tanten und Onkels, die die Vormundschaft für die Kinder zugesprochen bekommen.
Der Prozess der Familienannäherung ist, wie das Wort bereits suggeriert, ein langer.
Nach gerichtlicher Zustimmung müssen sich die Familienmitglieder bereit erklären über mehrere Monate hinweg wöchentlich mit den Psychologen des Kinderheims zu arbeiten. Daraufhin folgen Treffen mit den Kindern im Kinderheim. Während das Areal des Kinderheims dafür viel Raum sowie gute Möglichkeiten zum Spielen oder Picknicken bietet, kann hierbei zudem der Umgang mit den Kindern beobachtet werden. Gegen Ende des Prozesses ist es den Kindern des Weiteren gestattet die Wochenenden mit ihrer Familie zu verbringen. Es ist kaum in Worte zu fassen wie die Kinder schon Tage vorher voller Vorfreude fragen, wie lange es denn nun noch dauere bis seine/ihre Eltern kämen und dann am entsprechenden Tag im Hof stehen und auf ihre Eltern warten.
Umso trauriger ist es diese Kinder enttäuscht zu sehen. Zu oft kommt es vor, dass Eltern einfach nicht  auftauchen, nie mehr etwas von sich hören lassen und ihre Kinder scheinbar vergessen haben.
Jorge z.B. lebt hier im Kinderheim und hat quasi keine Familie mehr. Der Vater darf ihn nicht besuchen, weil er ihn vergewaltigt hat, von der Mutter fehlt jede Spur, und sein Großvater ist zu alt um ihn zu sich zu nehmen oder ihn auch nur mal zu besuchen.
 Wie schnell sich zudem die Pläne ändern können zeigt ein aktueller Fall von 5 Geschwistern im Alter von 3 bis 13 Jahren. Ihre Mutter hatte vor einigen Monaten beschlossen ihr Leben zu regeln und den Prozess der Familiennäherung einzuleiten. Nach regelmäßigen Treffen mit den Psychologen und mit ihren Kindern im Kinderheim, durften die Kinder die letzten Wochenenden bei ihr zu Hause verbringen. Eigentlich war für Ende des  Jahres die endgültige Rückkehr zu den Eltern geplant. Dies wurde jetzt kurzfristig abgesagt, da die Mutter unter anderem die letzten Wochen nicht mehr aufzufinden war. Für die Kinder gibt es absolut nichts Schlimmeres!
Dennoch geht es jetzt am Ende des Jahres für einige Kinder zurück zu ihren Familien.  Passend zum Beginn des neuen Schuljahres wechseln sie ihren Wohnort. Ihre Plätze müssen allerdings zunächst hier freigehalten werden. Es kommt leider immer wieder vor, dass Kinder aufgrund von neuen Vorkommnissen oder Rückfällen der Eltern (zu Alkohol, Drogen oder
der Kriminalität) zurückkehren.

Adoption
Eine weitere Lösung, die angestrebt wird wenn eine Familienzusammenführung nicht mehr in Frage kommt , ist die Adoption.  Die Adoptionen, die sowohl auf nationalem Level als auch auf internationalem Level stattfinden, laufen dabei allesamt über die staatliche Organisation Sename. Sie ist zugehörig zum Justizministerium und koordiniert sämtliche Angelegenheiten der Kinder, die per Gerichtsbeschluss nicht mehr bei ihren Eltern leben können. Nachdem die Kinder also bereit sind sich auf neue Eltern einzulassen und von Sename freigegeben worden sind, geht die Suche nach Adoptiveltern los. Wurden diese gefunden, geht es mit der psychologischen Vorbereitung der Kinder weiter. Per Fotos lernen sie ihre neue Familie, ihr neues Zuhause und eventuell ihr neues Land kennen. Nach Abschluss der monatelangen Vorbereitung findet bei uns im Kinderheim ein erstes Zusammentreffen mit den neuen Eltern statt. 2 weitere Tage müssen die Kinder noch im Kinderheim bleiben bis sie zusammen mit ihren neuen Eltern in eine Wohnung in Santiago ziehen können. Dort müssen die nächsten 4 Wochen zusammen verbracht werden bis die Ausreise offiziell erlaubt ist.  
Vor kurzem hatten wir das Glück 2 Brüder verabschieden zu dürfen. Manuel und José (Namen geändert) trafen Mitte November zum ersten Mal ihre neuen Eltern. Zur feierlichen Begrüßung hieß es für uns Freiwillige erst einmal fleißig Blumendeko basteln und daraufhin den Empfangsraum mit Blumen, Möbeln und Knabbersachen herzurichten. Die Eltern wurden von Manuel und José mit Küsschen, Umarmung und einem „Ich liebe dich, Mami“ begrüßt. Da waren auch direkt die Sprachbarrieren vergessen. Für die Beiden geht es nämlich nach Italien. Besonders schön ist hierbei nicht nur, dass die beiden Geschwister nun zusammen bleiben dürfen, (meistens wird nur eine Adoption innerhalb des gleichen Landes garantiert, nicht aber dieselbe Familie) sondern auch, dass obwohl Manuel mit 6 Jahren das Adoptionsalter bereits überschritten hatte, er nun doch eine neue Familie gefunden hat.  



Patenschaften
In der Regel endet das adoptionsfähige Alter mit 5 Jahren. Für alle Kinder, die dieses Alter überschritten haben, werden daher Patenschaften angestrebt. Gleiches gilt natürlich auch für die Kinder, die keinen Besuch von der Verwandtschaft bekommen, und dennoch nicht zur Adoption freigegeben sind. Als Ersatz kommen Paten. Dies sind Ehepaare, die die Kinder besuchen, mit ihnen spielen, reden oder auch Ausflüge machen.

Friday, November 22, 2013

Fiesta, fiesta...



Frühlingsfest
die Begrüßung des Frühlings

Dieses Jahr wurde hier im Hogar wieder eine alte Tradition zum Leben erweckt – das Frühlingsfest. Während es bis vor einigen Jahren jedes Jahr gefeiert wurde und auch im Rest Chiles allgemein verbreitet war ist es in den letzten Jahren ein bisschen untergegangen.
Am 25. Oktober fand hier also die freudige Begrüßung der lebenserweckenden Jahreszeit statt. Während es für uns Freiwillige vormittags und auch schon einige Tage im Voraus Vorbereiten hieß, versammelten sich mittags dann sämtliche Kinder, Tías und Angestellte verkleidet im Innenhof. Mit einem Gebet und einer Erinnerung an alle positiven Mitbringsel des Frühlings wurde das Fest eingeleitet. Der Höhepunkt bestand aus einer Autokarawane durch die Umgebung. Mit einem Bus, 5 wunderschön geschmückten Autos, Polizeibegleitung und sämtlichen Kindern an Bord ging es los… durch die Innenstadt von Malloco und Penaflor, sowie zu verschiedenen Unternehmen, die den Hogar finanziell unterstützen.  Jedes Mal wurde ein kurzer Halt eingelegt und eine Delegation aus Kindern und der Leiterin des Kinderheim überreichte den Unternehmern als Dankeschön selbstgebastelte Papierblumen.
Nach der Rückkehr wurde mit heißen Kakao sowie Brownies, Mamorkuchen und Apfelkuchen (allesamt nach Fertigung der deutschen Freiwilligen) noch ein bisschen weitergefeiert.





Oktoberfest im Frühling - und auch noch ganz chilenisch
Oktoberfest-Festplatz
Endlich war es also soweit – das Oktoberfest stand vor der Tür. Ja, richtig… Oktoberfest in Chile. Bereits einige Wochen vor Abflug, als ich gerade die Informationen zu meinem Einsatzprojekt erhalten hatte, war eine der ersten Überraschungen, dass in dem kleinen Dörfchen namens Malloco das größte Oktoberfest Chiles gäbe.
4 Blonde & Ich
Am 23. Oktober fingen also die ersten Bierbegeisterten an in Malloco einzutrudeln. Für 3 ganze Wochen. Und als Deutsche mussten wir vier Mädels natürlich auch einfach mal vorbeischauen. Zusätzliche Verstärkung hatten wir dabei von Lina, die über das Wochenende aus Temuco nach Santiago gekommen war. 
Die für 5 Kilometer angekündigte Schlange war glücklicherweise nicht vorhanden. Dafür hieß es aber 12€ Eintritt zahlen. Das Oktoberfest an sich, das passenderweise direkt als „Fiesta de la cerveza - Bierfest“ übersetzt wurde, bestand dann größtenteils auch aus Bierständen. Circa 50 verschiedene Unternehmen, darunter einige wenige Deutsche, boten hier ihre verschiedenen Biere an. Bei so viel Auswahl und mit der Möglichkeit alles einmal mit Probiergläschen durchzuprobieren findet sich hier für jeden Gaumen etwas. Sowohl das Bier mit Kakaogeschmack, als auch das mit Kaffeegeschmack befanden wir allerdings als etwas gewöhnungsbedürftig…
Abgesehen von der Biervielfalt ließ sich nicht sonderlich viel Deutsches finden. Bei genauerer Suche konnte man neben dem chilenischen Essen einen Bratwurststand ausfindig machen, nach Dirndls und Lederhosen suchte man abgesehen von ein oder zwei Ausnahmen vergeblich und mit der Quote von 4 blonden Mädels von insgesamt fünfen haben wir wohl den ganzen Festplatz in Aufruhr versetzt. Auch wenn wir, oder besser gesagt meine 3 Mitbewohnerinnen, das Gestarre, das Hupen, Gepfeife und die blöde Anmache bereits zur Genüge vom täglichen Gang durchs Dorf gewohnt sind, übertraf das Oktoberfest bis jetzt doch alles. Keine 2 Minuten auf dem Festgelände kam der erste Typ (angeblich von der Zeitung – wer`s glaubt, wird seelig) angerannt und wollte ein Foto von den blonden Deutschen schießen. Da wir im ersten Moment viel zu perplex waren um zu antworten, waren die ersten Fotos dann auch schon ohne die Zustimmung geschossen. Und auch danach ging es munter weiter. Das wir in männlicher Begleitung waren hielt weder vom Starren, noch vom Fotos oder Liebesgeständnisse machen ab. Das nächste Mal wird Geld genommen… :D




Halloween
Das nächste Fest ist wie so vieles ein Export der USA. Ja, auch hier in Chile ist Halloween mittlerweile angekommen und erfreut sich großer Beliebtheit. Seit Wochen hieß es in Dauerschleife „Tía, wie lange noch bis Halloween?“ und „Wann ist es endlich soweit?“. Da wir auch hier wieder als Zuständige für die Dekoration angesehen wurden, fingen wir Anfang Dezember an Abhilfe zu schaffen und führten als Belohnung für gute Arbeitsmoral ein, Gespenster, Fledermäuse und Kürbisse zu basteln. So freuten sich nicht nur die Kinder, sondern auch wir uns gleich doppelt: ein selbstgebasteltes Gespenst ist definitiv gesünder als die traditionellen Belohnungskekse, die hier sowieso schon in Unmengen konsumiert werden, und nimmt uns dabei gleich auch ein bisschen Arbeit mit der restlichen Dekoration ab.
Süßes oder Saures!
Am 31. ging es dann ans Schmücken. Sowohl der Innenhof, als auch der eigentliche Partyraum wurden großzügig mit Hunderten von Luftballons, Girlanden und Gruselmoosgummis ausgestattet. Während die Kinder bereits nachmittags mit dem Schminken und Anlegen der bereits seit Wochen geplanten Verkleidungen beschäftigt waren, hieß es für uns Freiwillige schnell noch in der Verkleidungskiste fündig zu werden. Die doch sehr spärlich ausgefallenen und stark improvisierten Verkleidungen, die dabei herauskamen, lassen sich wohl am besten damit erklären, dass es sich hauptsächlich um Kinderverkleidungen handelte. Aber den Kindern war es sowieso ziemlich egal als was ihre Betreuerinnen da gerade verkleidetet waren. Als es um 19 Uhr endlich mit dem „Süßes oder Saures“ – Gesinge und Süßigkeiteneinsammeln bei den verschiedenen Häusern im Hogar anfing war alles andere vergessen. Und auch danach ging es bis spät in die Nacht weiter. Mit Unmengen von Kuchen, Chips, allerlei Süßigkeiten und Partymusik rockten die Prinzessinnen, Superhelden, Hexen und Vampire noch lange ab. 




Tallarinata -  Nudelfest und Jahrestag
Am 15. November stand der Jahrestag Koinomadelfias an. Anlässlich dieses Jahrestages wird einmal im Jahr zur Tallarinata/ zum Nudelfest geladen. Rund 600 Eintrittskarten a 5000 Pesos/7,50€ wurden dieses Jahr im vorab an unterstützungswillige Unternehmen und Privatpersonen aus der Umgebung verkauft. Einen Tag vorher hieß es also Tische und Stühle schleppen, Tischdekoration basteln sowie Teller und Gläser spülen. Die Papp-Bühnendekoration in Form von im Garten spielenden Kindern sowie dem Spruch: „El que no vive para servir, no sirve para vivir“/“Derjenige der nicht lebt um zu dienen, nutzt nicht zum Leben.“ hatten wir Freiwillige bereits einige Tage vorher vorbereitet.  Kurz vor Beginn um 20 Uhr wurden uns vier Mädels 20 Kinder zugeteilt, mit denen zusammen wir den Abend lang für das Kellnern zuständig waren. Die nächsten vier Stunden hatten wir also alle Hände voll damit zu tun die ganze Bande im Zaun zu halten, bei schiefgehaltenen Tabletts zur Hilfe zu springen, und zu versuchen die Kinder davon abzuhalten alle 10 Sekunden erneut nachzufragen, ob die Gäste nicht doch noch etwas zu trinken wünschten. Leider ging die Motivation danach auch schon steil bergab. Während das anfangs nur vereinzelte Auftauchen von Gästen dazu führte, dass eine Person gleich von 10 fleißigen Kellnern überrannt wurde, war beim Zeitpunkt des Tellerabräumens leider kein Kind mehr auffindbar.

die Star-Moderatoren des Abends
Damit ging der Abend aber auch wie im Fluge rum. Nachdem die Gäste das im Preis enthaltene Begrüßungsgetränk bestellt hatten, erfolgte die Begrüßung durch Monika, die Leiterin des Kinderheims, sowie unseren beiden Stargästen Dominique Gallegos und Alvaro Gomez. Bei den Beiden handelt es sich um chilenische Schauspieler, die in verschiedenen Serien mitspielen und hier wirklich bekannt zu sein scheinen. Nach nachfolgender Plünderung des Nudelbuffets folgte die Auktion des Abends. Zur Ersteigerung standen ein gespendetes, nagelneues Fahrrad, eine Mikrowelle, selbstgebackene Brötchen, sowie Nussecken und Schokoladenkuchen aus deutscher Freiwilligen-Produktion. Bei so einem guten Zweck wie der finanziellen Unterstützung eines Kinderheims waren auch alle Anwesenden in Spendierlaune. Die Gebote für unsere Nussecken und Schokoladenkuchen-Teller ließen uns Deutsche dann aber allesamt innehalten. Von den erzielten 1500€ steuerten 3 Teller deutsches Gebäck (a vier Stücke Schokokuchen und 7 Nussecken) insgesamt 200€ bei! Der Stückpreis von 6€ für eine Nussecke kann sich also definitiv sehen lassen!
Und umso mehr gefreut haben wir uns, als es am nächsten Tag hieß, dass das diesjährige Fest mit einem Gewinn von 6000€ das mit Abstand Beste jeher war. Da haben sich die stundenlange Aufbauarbeit, die Bastel- und Backaktionen und die Kellnerarbeit doch definitiv gelohnt!