Saturday, February 1, 2014

Darf ich vorstellen - der Norden Chiles


Über die Weihnachts- und Neujahrsfeiertage war es also soweit: der Besuch meiner Eltern und meines Bruders stand bevor. Und damit auch eine kleine Erkundungstour des Norden Chiles.

Über Zapallar und Valparaíso, ging es nach San Pedro de Atacama und über Santiago dann weiter nach Santa Cruz.
 










Zapallar
Zapallar ist eine Küstenstadt mit rund 6000 Einwohnern, die 170 km nördlich von Santiago de Chile liegt.





Valparaíso

Valparaíso ist eine der wichtigsten Hafenstädte Chiles.  Bereits in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts diente die Stadt als Zwischenstopp für Schiffe zwischen dem Atlantik und dem Pazifik. Während ihrer besten Zeiten war sie als „kleines San Francisco“ bekannt und zog zahlreiche europäische Auswanderer an.



die Hügel Valparaísos
mit bunten Häusern

 


San Pedro de Atacama
San Pedro ist eine kleine Stadt inmitten der Atacamawüste, einer der trockensten und einsamsten Landschaften der Erde. Sie liegt auf 2.400m.
Die ersten Bewohner waren die „Atacameños“, die vor allem für von Korbflechtarbeiten und Keramiktöpferei lebten. Heutzutage lebt die Stadt hauptsächlich vom Tourismus, unterstützt von etwas Landwirtschaft. Bekannt ist sie aufgrund der traumhaften Landschaften und der Sternwarte, welche aufgrund der trockenen Luft eindrucksvolle Blicke in die Galaxien ermöglicht.


Salar de Atacama - Salzsee
die Chaxa-Lagunen
die Flamingos

die Zwillingslagunen Miscanti
& Meniques auf 4.700m

Valle de la Luna - das Mondtal


die "el Tatio Geysiren"  


das höchste geothermische Feld der Welt - auf 4.400m
ein kleines Andendorf
ein Lama
    
ein Vicuna









Santiago de Chile


Santiago de Chile die Hauptstadt von Chile. Im städtischen Siedlungsgebiet leben ca. 5 Millionen Menschen, in der gesamten Region sind es ungefähr 6 Millionen. Damit leben etwa 40 Prozent aller Chilenen in der Hauptstadt oder in ihrer direkten Umgebung.
Die Stadt ist das politische Zentrum Chiles, wichtiger Verkehrsknotenpunkt sowie das bedeutendste Wirtschafts- und Kulturzentrum von Chile mit zahlreichen Universitäten, Hochschulen, Museen und Baudenkmälern.



das höchste Gebäude Lateinamerikas


der Mercado Central


Santa Cruz 

Das Colchagua Tal ist zusammen mit dem Maipo Tal weiter im Norden eine der bekanntesten Weinanbaugebiete Chiles. Es ist bekannt für die Malebs, Cabernet Sauvignons, Carmeneres und Syrahs.

im Weinanbaugebiet







Thursday, December 26, 2013

El viejito pascuero - Weihnachten in Chile und im Kinderheim



Weihnachtszeit im Kinderheim - Imagepflege und soziale Verantwortung

Die Adventszeit ist da, Weihnachten rückt immer näher und die Unternehmen werden langsam wach. Weihnachtszeit - die Zeit der Nächstenliebe. Da muss man wieder seine soziale Verantwortung wahrnehmen...



Eine Woche vor Novemberende ging es also los. Bei der morgendlichen Tee-Besprechungsrunde lag der Aktivitäten-Kalender auf dem Tisch. Während die letzten vier Monate ab und zu mal eine Schulklasse zur Kinderbelustigung vorbeikam, tummeln sich  in den Wochen vor Weihnachten Unternehmen über Unternehmen, die Süßigkeiten herankarren, Weihnachtsmann spielen und die Kinderbelustigung übernehmen. 4-5 Termine pro Woche stehen an.

So hatten also schon Mitte/Ende November die ersten Unternehmen den Weihnachtsmann im Schlepptau. Während sich die Kinder im Innenhof versammelten und die Aufregung und (ja!) Hitze mit einem Eis bekämpft wurde, schlüpfte einer der Mitarbeiter der Firma in unserer Bibliothek schnell in ein Weihnachtsmannkostüm. Kaum vor der Tür gingen der Ansturm und das Geschenkeverteilen auch schon los. Mit 80 Kindern!

So oder ähnlich sah es in den letzten Wochen fast jeden Tag aus. Popcorn, Zuckerwatte, Hüpfburgen, Geschenke und Unmengen an Süßigkeiten.
Chilenische mittelständische Unternehmen, internationale Riesen oder die freiwillige Feuerwehr.. momentan geben sich hier alle die Klinke in die Hand.

Für die Kinder ist es eine nette Abwechslung. Auch wenn der Spuk dann am 23.12  schon wieder schlagartig aufhört.

Hört sich alles super an. Und im Allgemeinen ist es das natürlich auch. Dennoch gibt es leider auch hierbei ein paar Punkte die besser sein koennten.



Schade ist zum Beispiel, dass die Unternehmen etwas an den Bedürfnissen des Kinderheims vorbeizielen.

Unterhaltung und Geschenke – super für die Kinder. Haufenweise Süßigkeiten – nicht. Und dabei bin ich keineswegs der Meinung, dass Kinder keine Süßigkeiten essen sollten. Es gibt nur leider viele Dinge die hier fehlen, nur Süßigkeiten nicht. Kiloweise Chips und Kekse bekommen wir nämlich wöchentlich neu angeliefert. Für gutes Mitarbeiten, fürs Sportmachen, ja fürs mal nicht allzu schlecht Aufführen gibt es als Belohnung…Süßigkeiten. Und dann handelt es sich nicht um einen Keks, nein, dann bekommt der der 4-Jährige gleich die ganze Chips oder Kekstüte in die Hand gedrückt. Und das ist die Alltagssituation. Jetzt kommen allerdings jeden Tag noch Unternehmen. Neben Eis, Zuckerwatte und Popcorn gibt es für jedes Kind eine Tüte voll Schokolade, Kekse, Chips und Bonbons.
Obst und Gemüse gibt es hingegen so gut wie gar nicht. Ab und zu grüne Salatblätter. Obst… naja wenn gerade mal mehr Geld da ist, alle 2 Wochen einen Apfel pro Kind.

Und es geht natuerlich nicht allen primär um die Kinder.
            Imagepflege – gut und schön. Wenn die Unternehmen wirklich etwas für die Kinder auf die Beine stellen und am Ende des Tages die Fotos von der Veranstaltung auf ihrer Homepage veröffentlichen ist daran ja gar nichts auszusetzen. Schade ist es dann nur wenn sich ein multinationales Unternehmen wie Starbucks anmeldet, mehrere Stunden zu spät kommt, die Muffins so oft zerteilt werden wie nur möglich und der Kakao gerade eben den Boden der Tassen bedeckt. Aber die Fotos, die auf der Homepage oder sonst wo landen werden, sehen bestimmt super aus!



Und ansonsten… Weihnachtsstimmung? Nicht so richtig!
Da fehlen definitiv kaltes Wetter, Weihnachtsmärkte, Glühwein und Weihnachtsplätzchen.
Weihnachtsmusik bei 30 Grad und amerikanisch-weihnachtlich geschmückte Malls schaffen da definitiv keine Abhilfe. Aber was soll‘s.


Unsere momentan Kleinste - 1 Monat alt


Weihnachten, Weihnachten
Ja, Weihnachten gibt es also auch in Chile. Welch Überraschung in einem Land in dem circa 63 Prozent der Bevölkerung der katholischen Kirche und immerhin 15 Prozent der Protestantischen angehören.
Und abgesehen vom Wetter gibt es auch keine allzu großen Unterschiede.

Es kommt ebenfalls der Weihnachtsmann (traditionell gekleidet in rot mit Fellmantel, dicken Stiefeln und Mütze). Dass Badehose und Schwimmreifen bei über 30 Grad deutlich angebrachter wären und der Arme vermutlich einen Hitzschlag bekommt, wird dabei geflissentlich übergangen.
Eine chilenische Besonderheit ist zudem sein Name. Während der Weihnachtsmann im Rest der spanischsprachigen Welt als Papá Noel, Santa Claus oder San Nicolás bekannt ist,  bringt in Chile der „viejito pascuero“ die Geschenke. Und anstatt „Feliz Navidad“ wünscht man sich oftmals auch ein „Feliz Pascua“. Pascua heißt, wie alle Spanischkenner gemerkt haben werden, Ostern und nicht Weihnachten.
Da koennte man sich glatt die Frage stellen, was hier in der Geschichte verwechselt worden ist...
Bis jetzt konnte mir leider auch noch niemand die Frage wirklich beantworten. Aber mal sehen. Vielleicht findet sich ja noch jemand.
Heiligabend ist ebenfalls genau wie in Deutschland. Traditionell geht man in die Messe, es gibt ein Weihnachtsessen und am 24.12 abends die Geschenke.

Was es nicht gibt:
Adventskränze
Adventskalender
Nikolaus
Weihnachtskekse
Schnee
Ausstechformen für Plätzchen
Gluehwein

Stattdessen gibt es natuerlich einige andere Dinge. Das traditionelle weihnachtliche Gebäck ist „Pan de Pascua“ (Osterbrot/Weihnachtsbrot). Dabei handelt es sich um einen Gewürzkuchen mit getrockneten Früchten und Nuessen. Getrunken wird dazu „Cola de Mono“(Affenschwanz- nicht wörtlich zu nehmen). Dies ist ein Kaffee-Sahne Getränk mit Schnaps.


Damit also ein
Feliz Pascua - Fröhliche Weihnachten

von ganz Koinomadelfia





Monday, December 16, 2013

Eine Präsidentin für Chile



Bereits am 17.11.2013 fanden die Präsidentschaftswahlen in Chile statt. Zu übersehen war dies im ganzen Land nicht. Sämtliche Laternen- und Strommäste, Mauern und freien Plätze sind seit Wochen mit den übergroßen und absolut unchilenischen Gesichtern Michelle Bachelets und Evelyn Mattheis zugekleistert. Die Favorisierung und Gesinnung des jeweiligen Straßenzugs lässt sich dabei nur zu gut am unerklärlichen Verschwinden der gegnerischen Wahlplakate erkennen. Und auch im Fernsehen fehlen die Werbespots der Kandidaten natürlich nicht.

Am 17.11.2013 traten 9 Kandidaten zur Präsidentschaftswahl an.
Unter ihnen Michele Bachlet (des Mitte-Links Parteienbündnises "Nueva Mayoría"), Evelyn Matthei (des konservativen Parteibündnisses "Alianza por Chile"), Enriquez Ominami (Linkes Fortschrittsbündnis PRO) und Franco Parisi (unabhängiger Kandidat des rechten Bündnisses).
Bei einer Wahlbeteiligung von 49% erhielten Michele Bachelet 46,74% und Evelyn Matthei 25,02% aller Stimmen. Dabei war diese Wahl etwas ganz Besonderes: zum ersten Mal bestand keine obligatorische Wahlpflicht.  Bis zu diesem Jahre standen beim Nichtwählen Geldstrafen an.

Mangels absoluter Mehrheit im ersten Wahlgang fanden nun gestern am 15.12.2013 die Stichwahlen in Chile statt. Trotz absolut verstopfter Straßen gingen lediglich 5,2 Millionen von 13,5 Millionen Wahlberechtigten zu den Urnen. Dies sind gerade mal 40%. Gewonnen hat die Wahl mit 62,1% Michele Bachelet, die 62-Jährige Sozialistin und Kandidatin der Koalition „Nueva Mayoría“. Sie war bereits 2006 bis 2010 die erste Staatspräsidentin Chiles bis sie vom momentanen konservativen Präsidenten Sebastián Piñera abgelöst wurde. Evelyn Matthei erhielt lediglich 37,8% der Stimmen.

Ab März 2014 hat Michele nun also vier Jahre den Kampf gegen die soziale Ungleichheit fortzuführen. Zu ihren Hauptwahlversprechen gehören der Umbau des Bildungswesens, eine Steuerreform und eine neue Verfassung.


Bildung ist extrem teuer. Chile hat in Relation zum Einkommen die höchsten Studiengebühren der Welt. Universitäten kosten bis zu 5000€ im Jahr. Der chilenische Mindestlohn liegt bei circa 315€. Bei bis zu 5 Jahren Studium können sich dies viele nicht leisten. Auch wenn es einige Stipendienprogramme gibt und die Studienkredite niedrig verzinst sind verschulden sich Immatrikulierte und ihre Familien jahrelang. Deswegen protestieren die chilenischen Studenten nun schon seit über 2,5 Jahren für kostenlose Bildung. Aufsehen erregte nicht nur die massive Gewalt mit der die Polizei gegen Demonstranten vorging, sondern auch Ausschreitungen seitens der Studenten.
Das momentane Bildungssystem stammt noch aus der Diktaturzeit Pinochets die 1973 ihren Anfang nahm. Dieser führte ein  radikal neoliberales Wirtschaftssystem ein und privatisierte unter anderem das Bildung- und auch das Gesundheitssystem. So ist heute leider der Zugang nicht nur zur Bildung, sondern auch zu guter medizinischer Versorgung extrem teuer.