Monday, April 21, 2014

Und meine Zeit geht zu Ende - Projektwechsel



Ja, ich wechsle nun also das Projekt. Das erste Mal heißt es Abschied nehmen. Wenn es auch nicht sonderlich weit weg geht.
Vom Kinderheim Koinomadelfia in Malloco wechsle ich nach Santiago in eine Behindertenwerktstatt.
Vom WG-Leben mit den anderen Freiwilligen in eine chilenische Gastfamilie.


Der Grund hierfür ist nicht, dass mir die Arbeit mit den Kinder nicht gefällt. Auch wenn es wirklich anstrengend sein kann, habe ich mich gut eingelebt und die Kleinen total liebgewonnen. Da nun aber auch die letzten Freiwilligen gehen, ich hier also alleine leben würde und es sowieso von Anfang an mein Wunsch war in einer chilenisches Gastfamilie zu leben, habe ich mich für einen Wechsel entschieden.
Trotz Vorfreude muss ich sagen, dass mir der Wechsel definitiv nicht leicht fällt. So einiges habe ich während der letzten 8 Monate hier gelernt.
Aber ich tröste mich damit an den Wochenenden meine Kinder besuchen gehen zu können.


Mit ein paar Eindrücken ein letzes Mal      Grüße aus Malloco
















Friday, April 4, 2014

22 Jahre Koinomadelfia - des Jahrestag & wie es alles funktioniert


22 Jahre ist es also schon her seit das Kinderheim Koinomadelfia gegründet wurde. Vater Gabriel Paccanaro aus Italien eröffnete am 25. März 1992 mit 16 Kindern und 2 Häusern ein Kinderheim in Malloco.
Bereits ein Jahr später wurde das Heim auf 24 Kindern in 3 Häusern ausgeweitet: die sogenannten Häuser Anunciación, Resurrección und Visitación. (Ja, alle Häuser haben hier Namen)

Und das Heim wuchs weiter:
1994  5 Häuser mit 40 Kindern
1995  6 Häuser mit 46 Kindern +  Büroräume, ein Gemeinschaftsraum & eine Kapelle
1996  8 Häuser mit 64 Kindern
1998  10 Häuser mit 80 Kindern à seine momentane Größe
1999  wurde der Minibus gekauft, der auch heute noch die Kinder zu ihren Schulen fährt
2000 Sporthalle


Auch heute noch existiert das System auf das das Kinderheim so stolz ist: 10 Häuser in denen jeweils 8 Kinder gemischten Geschlechts mit einer „Tía Mama“ leben. Alle Altersgruppen sind vertreten. So soll das Leben in einer Familie rekonstruiert werden.  Die „Tía Mama“ arbeitet dabei 15 Tage am Stück, tags und nachts, um so die Rolle einer Mutter wirklich zu erfüllen. Darauf folgen 3 freie Tage in denen eine Aushilfs-„Mama“ das Haus übernimmt. Die einzige Aufgabe die der Tía Mama dabei abgenommen wird ist das Kochen. Das Kinderheim verfügt über eine Köchin, die sich um das Mittagessen kümmert. Gegessen wird aber dennoch in den einzelnen Häusern. Für 460€ im Monat ist dies ein knochenharter Job - denn die Kinder sind keinesfalls gut erzogen. Gerade einmal 4 Betreuerinnen gibt es momentan, die diesen Job schon seit längerer Zeit machen. Krasse Arbeitszeiten, schlechte Bezahlung und die fehlende Möglichkeit während der 15 Tage das Kinderheim zu verlassen sorgen dafür, dass momentan ständig Betreuerinnen fehlen und gesucht werden. Die meisten die neu hinzukommen halten keinen Monat aus.
Daher wird nun probeweise das System umgestellt. In 2 Häusern wird ab jetzt mit jeweils 2 Betreuerinnen gearbeitet. Eine die die Wochentage übernimmt und eine andere die für das Wochenende zuständig ist.

Ansonsten lebt das Kinderheim von Spenden. ob Kleider-, Lebensmittel- oder andere Sachspenden alles wird gebraucht.


Kleidung
Wochentags können Privatpersonen alte Kleidung und Schuhe vorbeibringen. Diese werden bei Bedarf an die Kinder verteilt. Einmal im Jahr kommt zudem die Schuhfirma „BATA“, der Hauptsponsors des Kinderheims, und schenkt jedem Kind Schuhe.









Lebensmittel
Einmal die Woche erhält das Kinderheim eine Lebensmittellieferung einer Lebensmittelbank. Joghurt, Instantmilch, Butter, Reis, Nudeln, Chips, Kekse & Getränke sind meist mit dabei.
Die Brötchen fürs Frühstück und Abendessen werden jeden Tag eingekauft. Genauso auch Salatköpfe und alles was das Mittagessen fehlt.
Hier gibt es einen festen Essensplan, der sich jede Woche wiederholt. (Nudeln, Reis mit Spiegelei, Cazuela & viele Eintöpfe stehen auf dem Speiseplan)
Zwischenzeitig wurden auch Schweine gehalten, die vor kurzem geschlachtet wurden.

Weitere Spenden
Sämtliche Renovationen und Reparationen, die Spielplätze, die bald einzuweihende neue Küche – eigentlich alles was man hier vorfindet, wurde von verschiedenen Firmen oder Personengruppen gespendet. Von großen Investitionen bis zu kleineren Verschönerungsmaßnahmen von einer Handvoll Studenten ist alles mit dabei.


Der Jahrestag
Der Jahrestag des Kinderheims wurde natürlich auch gebührend gefeiert. An einem Sonntag fand mit geladenen Gästen erst eine große Messe statt und danach wurde mit Empanadas (mit Fleisch oder Käse gefüllte Teigtaschen) und Torte die 22 Jahre Koinomadelfia gefeiert. Wie üblich waren wir Freiwilligen (Helen, Lena und ich) mit der Bühnendeko beauftragt. Diesmal steuerten wir allerdings auch noch die Choreographie für einen Auftritt der Kinder bei. Zum Lied „Vivar mi Vida“ ( "mein Leben leben") lieferten die Kinder eine schöne Show...


Friday, March 21, 2014

Karies, Baktus und der Umweltschutz - Zukunftsprojekte



In den letzten Wochen konnten wir Freiwilligen endlich zwei Probleme hier im Kinderheim angehen, die uns schon seit langem aufgefallen sind.

Zum Einen: die Zahnpflege
Egal welches Kind man sich unter den momentanen 80 Heimkindern sucht, man findet kein einziges ohne Karies… Und das regelmäßige Klagen: „Tia, mein Zahn tut weh“ ist überraschend wenig wenn man mal einen Blick in den Mund wirft. Die Zähne sind schwarz. Karies findet man sogar auf der Vorderseite des Zahns. Schon allein das Angucken verursacht Schmerzen.  
Zahnbürsten sich zwar für jedes Kind vorhanden, aber die Tía Mamas, die Frauen die die Kinder rund um die Uhr betreuen und erziehen, haben am Ende des Tages wohl einfach keine Lust mehr bei jedem Kind sich auch noch um das Zähneputzen zu kümmern.
Dass die Kinder hier jeden Tag kiloweise Süßigkeiten konsumieren, verstärkt die Problematik natürlich noch.

Taller del cepillado de dientes – der Zahnputz-Workshop
Schnell waren wir uns einig, dass dies ein wirklich guter Ansatzpunkt für einen Workshop mit den Kindern sei und fingen an, uns zu überlegen wie man Zähneputzen interessant gestalten könnte. Bewaffnet mit neuen Zahnbürsten, Zahnpasta, lustiger Zahnputzmusik und einigen Plakaten ging es also von Haus zu Haus.
Gut oder schlecht für die Zähne?
Mit je einem Haus, also 8 Kindern, erarbeiteten wir mit Hilfe von Zeichnungen sowohl die Lebensmittel, die gut für die Zähne sind, also auch diejenigen die die Zähne schädigen und besprachen dann die richtige Zahnputztechnik. Nach dem darauffolgenden Austeilen der Zahnbürsten, der Zahnpasta, sowie der von uns gebastelten Zahnputzbecher mit Namen und Zeichnung für jedes Kind, ging es an das gemeinsame Zähneputzen. Um ihnen dabei ein Gefühl für die obligatorischen 3 Minuten zu geben wurde das Ganze mit „Zahnputz“-Musik unterlegt. Zur Motivation in der Zukunft gab es anschließend die Herausforderung mit auf dem Weg in einer Tabelle gewissenhaft das dreimalige Zähneputzen am Tag abhacken zu lassen. Nach 3 Wochen  lockt hierbei eine Belohnung.
Hoffen wir also, dass der Workshop wenigstens ein bisschen Eindruck hinterlassen hat. Immerhin lässt sich sagen, dass die darauffolgenden Tage immer wieder Kinder angerannt kamen um uns zu zeigen wie wunderschön sauber sie ihre Zähne geputzt hätten und das für den Moment auch wirklich alle Kinder eine Zahnbürste besitzen. (Bei der Aufforderung ihre Zahnbürsten zu holen stellte sich nämlich das ein oder andere Mal heraus, dass einige Kinder einfach willkürlich zu irgendeiner Zahnbürste griffen… wenn sie denn tatsächlich einmal auf die Idee kommen, sich die Zähne zu putzen.)


die Theorie


Selbst erarbeitet!




Fleißig am Werk
Zahnputzbecher & Bürste






Zum Anderen: der Umweltschutz.
Hierbei handelt es sich leider nicht um ein Problem, dass sich nur bei uns im Kinderheim antreffen lässt. Erst sehr langsam entwickelt sich hier ein Gefühl für die Verantwortung die Umgebung sauber zu halten. Im ländlichen und ärmeren Bereich wird das Papier einfach direkt auf den Boden geworfen, die alte Matratze oder Toilette an der nächsten Straßenecke abgeladen und der (Plastik-)Müll auch einfach mal im Innenhof oder auf dem Feld verbrannt. Das Resultat ist in einigen Regionen Chiles eine extrem vermüllte Umgebung. Recyclingprogramme findet man nur selten, aber sie existieren durchaus. Für Konzepte wie Umwelt- und Tierschutz benötigt es ein gewisses Maß an Bildung und Wohlstand, aber gerade Studenten und die jüngeren Generationen hier arbeiten an einem Wandel. Vor einigen Wochen kam eine Gruppe von Studenten aus Santiago und sprach mit den Kindern über die Wichtigkeit des Schutzes der Umwelt, vor kurzem wurde die „die grüne Brigade“ hier im Kinderheim gegründet, die für die Sauberkeit des Geländes zuständig ist und als neueste Maßnahme wurde das „Schilderprojekt“ umgesetzt.

Das Schilderprojekt
„Ich pflege meine Umgebung“
„Ich werfe mein Papier in den Mülleimer“
„Ich behandele alle mit Respekt und Zärtlichkeit!
„Wenn du meine Blätter abreißt, tut mir dies weh“

Solche und ähnliche Sätze lassen sich hier auf dem Gelände des Kinderheims seit Neuestem überall lesen. Zusammen mit den älteren Kindern des Heims bastelten Lena, Helen und ich Schilder mit dem Schwerpunkt Umweltschutz.